Im Dezember 2016 habe ich die Facebook-Aktionsgruppe #ichbinhier „gegen den Hass und für eine bessere Diskussionskultur“ nach dem Vorbild der schwedischen Gruppe #jagärhär ins Leben gerufen. Innerhalb von fünf Monaten ist die Gruppe auf ca. 37.000 Mitglieder angewachsen und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass #ichbinhier die größte und wichtigste Counter Speech Organisation in Deutschland geworden ist.

#ichbinhier hat im Jahr 2017 einen enormen Beitrag dafür geleistet, dass die Öffentlichkeit ein Problembewusstsein für Hassrede entwickelt. Nicht nur, dass wir sehr viel Medienaufmerksamkeit bekommen haben, wir haben den GRIMME ONLINE Award gewonnen, wir wurden zum Bürgerfest des Bundespräsidenten eingeladen und wir haben Hunderttausende von sachlichen und emphatischen Kommentare auf Facebook geschrieben, die dort zu einem ausgewogeneren Meinungsbild geführt haben Aber… und das ist sicher der größte Erfolg, wir haben es auch erreicht, dass sich Tausende von engagierten Menschen im Kampf gegen den Hass nicht mehr allein fühlen und eine neue Gemeinschaft gefunden haben, die sich als digitale Zivilgesellschaft gegenseitig stützt. Mit dem Hashtag ichbinhier setzen wir ein persönliches und zugleich gemeinschaftliches Statement für Demokratie, Toleranz, Vernunft und eine liberale weltoffene Gesellschaft.

#ichbinhier ist im Laufe der Zeit eine professionelle Organisation geworden. Es hat sich ein Kernteam herauskristallisiert, welches die Gruppe führt und organisiert. Es wurde ein Verein gegründet, um der Initiative eine Rechtsform zu geben und man hat sich mit diversen Organisationen vernetzt, die an derselben Thematik arbeiten.

Meine tiefe Überzeugung ist es also, dass man die Augen vor diesem Problem nicht verschließen sondern aktiv etwas dagegen tun sollte. Mir ist wichtig, dass eine breite Öffentlichkeit die Bedeutung dieses Themas versteht. In den sozialen Medien wird ganz massiv und gezielt Meinungsbildung von politischen Gruppierungen betrieben. Aber nicht nur das ist das Problem. Es werden Einzelpersonen und ganze Bevölkerungsgruppen beleidigt, diffamiert und bedroht.

Das ist zum Teil strafrechtlich relevant, aber größtenteils mindestens abwertend bis sehr verletzend. Ich denke nicht, dass das die dominierende Diskussionskultur im Netz sein sollte und daher liegt es mir am Herzen, dass mehr Menschen sich für einen besseren Umgangston im Netz einsetzen.